Kolumne der Synodalpräsidentin

Bild von der SynodalpräsidentinWäre die Synode ein Fußballspiel, dann wäre jetzt die Gelegenheit, sich taktisch neu aufzustellen, strategisch nachzujustieren, eine neue Parole auszurufen, die die Mannschaft noch einmal gut zusammenschweißt für die zweite Halbzeit.
Aber: die Parole steht. Das Leitmotto "Semper reformanda - immer neu", das die ELKB über das Jubiläumsjahr 2017 gestellt hat, stand auch über den ersten drei Jahren der Synodalperiode. Von Anfang an war kirchenleitend wichtig, das reformatorische Grundanliegen zum Inhalt der Synodalperiode werden zu lassen. Wir wollten nicht erst dann reagieren, wenn es zu spät ist und wir aus Not erfinderisch werden müssen. Wir wollten die Freiräume und Spielräume jetzt nutzen, um langfristig gut aufgestellt zu sein. Und so zieht sich das „Semper reformanda – immer neu“ auch wie ein roter Faden durch den Prozess "Profil und Konzentration", den die vier kirchenleitenden Organe als Konkretisierung für den Zukunftsprozess unserer Kirche herausgefiltert haben.
In den vergangenen drei Jahren wurde Entscheidendes erreicht und auf den Weg gebracht: der Pfarrerbildprozess wurde abgeschlossen, für die weiteren Berufsbilder wird er gerade eingespurt, die Reformen im Bereich Verwaltung sind in Arbeit, die Vorsteuerung wurde eingeführt, die Gemischten Ausschüsse „Versorgung“, „Barmer Theologische Erklärung“ und die Arbeitsgruppe zur Erneuerung des Landessynodalwahlgesetz werden bei der Herbstsynode Berichte geben. Im Meilensteinplan für den Prozess „Profil und Konzentration“ liegen wir exakt in der Zeit. Und es ist deutlich geworden: Die Kirche kann auch wendig sein und spontan reagieren. Mit der Gründung der AG "Herberge" konnten wir schnell auf die Not der Flüchtlinge, die bei uns ankamen, reagieren sowie Ehrenamtlichennetzwerke aufbauen und unterstützen. Es läuft!
Allerdings sollten wir nicht leichtsinnig werden und uns nun gemütlich zurücklehnen, sondern innehalten und selbstkritisch prüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind.
Das für mich Wichtigste und Entlastendste ist: Gott ist mit uns auf diesem Weg. Nicht wir schaffen das Neue, sondern Gott schafft es. Unsere Aufgabe ist es, weiter die Spielräume offenzuhalten, damit der Geist im Prozess bleibt. Dabei wird deutlich, dass wir eigentlich erst am Anfang stehen und gar nicht wissen, wann Halbzeit ist.
Das „reformanda“ dauert eben nicht nur 90 Minuten, es ist ein „semper reformanda“, für das wir Freiräume öffnen dürfen – nicht mehr und nicht weniger.