Kolumne der Synodalpräsidentin

SynodalpräsidentinLiebe Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher,
noch ist der Sommer nicht ganz vorüber, aber die Tage werden kürzer, man spürt schon den bevorstehenden Herbst. Deswegen wage ich einen ersten Rückblick. Er lässt mich einen Vers des Dichters Rainer Maria Rilke zitieren: „Herr, der Sommer war sehr groß.“ Und wenn ich dies sage, dann meine ich nicht das Wetter, sondern unseren bayerischen Reformationssommer, der sich wie das letzte Jahr der Reformationsdekade allmählich seinem Ende zuneigt.

Es war der Sommer einer großen Zeitreise zurück in das Jahr 1517. Und es war der Sommer, mit dem die Zeitreise in die nächsten 500 Jahre begonnen hat. In diesem Sommer 2017 wurde der historische Untergrund, in dem unsere evangelisch-lutherische Gegenwart wurzelt, so sichtbar wie noch nie. Hier gilt es ausdrücklich Dank zu sagen all denen, die sich in den Kirchengemeinden und Dekanaten unserer bayerischen Landeskirche haben inspirieren lassen und die großartige Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum geplant und durchgeführt haben. Sie alle haben dazu beigetragen, dass der bayerische Reformationssommer von zahllosen Highlights geprägt war, deren Ideenreichtum kaum zu übertreffen ist. Alle Generationen und Regionen haben an verschiedenen Gottesdiensten, Konzerten, Festen, Empfängen, Ausstellungen und Veranstaltungen mitgewirkt. Das ist Rückenwind für die Zukunft unserer Kirche. Denn es macht Lust auf mehr und es zeigt, was in der Kirche Jesu Christi steckt, wenn diese Kirche ihre Geistesgaben entfaltet. Der Reiseführer durch den bayerischen Reformationssommer, der über die Grenzen unserer Landeskirche hinaus Verbreitung fand, spiegelt die Vielfalt dieses lebendigen Protestantismus eindrucksvoll wider. Im Rückblick zeigt sich für mich, dass es gut und richtig war, die Gestaltung des Jubiläumsjahres der Reformation nicht zentral zu organisieren. Denn wer weiß, ob dadurch ein ähnlich buntes Bild des gelebten Protestantismus entstanden wäre!
Durch die Vergegenwärtigung der Reformation wurde ein Zeitfenster für eine evangelische Zeitreise geöffnet, die – so kann ich es für mich sagen – das Vertraute unserer kirchlichen Gegenwart neu sehen und manches auch heilsam in Frage stellen lässt, was vielleicht ganz und gar nicht evangelisch-lutherisch ist.
So wurde der Reformationssommer ein Sommer des Perspektivwechsels und ein Sommer der Ermutigung. Seine Sternstunden zeigten, wie eine Kirche aussehen könnte, in der die Zukunft ihres Herrn zum Vor-Schein kommt. Zugleich machte der Reformationssommer auch die Zu-Mutung deutlich, die der Glaube an Gott darstellt. Es ist, wie es der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck beim Zukunftskongress der EKD im Jahr 2014 formulierte, „die Zumutung, uns mit Maßstäben zu konfrontieren, die oft querstehen zu dem, was wir uns selber so schön ausgedacht oder zusammengebastelt haben. Dass der Schwache geschützt wird, dass Teilen richtiger ist als Behalten, dass der geschlagene Nächste am Wegesrand, in welcher Gestalt er aktuell auch immer auftreten mag, Herausforderung für unsere Nächstenliebe ist, dass Friedfertigkeit so weit gehen kann, dem Angreifer auch die andere Wange hinzuhalten, dass Gerechtigkeit wirkliches Teilen meint und nicht gelegentliche Almosen, dass die Würde des Menschen nicht von seiner Herkunft, nicht von seinem Glauben, schon gar nicht von seinem Gesundheitszustand abhängt, und dass diese Würde zu achten ist von der Zeugung bis zum letzten Atemzug, dass man nicht alles darf, was man kann: Das alles wird wohl nie Mainstream einer Gesellschaft, das alles wird wohl nie von der Mehrheit verabschiedet, das alles gehört zur Botschaft des Evangeliums, die wir nicht neu zu erfinden brauchen, sondern die wir gesagt bekommen haben und die wir weiter bezeugen können und dürfen und müssen.“
Lassen Sie uns in diesem Sinne mutig in die kommenden 500 Jahre gehen! Eine Brücke hierfür bauen wir bereits mit einem weiteren Jubiläum, das wir 2018 feiern werden: 70 Jahre Kirchenpartnerschaft zwischen dem Evangelischen Kirchenkreis Mecklenburg und der Evangelischen Kirche in Bayern Hierfür sind zahlreiche Begegnungen auf verschiedenen Ebenen geplant, wie zum Beispiel eine Jugendbegegnung in Tschechien, Begegnungen der Kirchenleitungen und die Wiederbelebung der Partnerschaften auf der Ebene der Kirchengemeinden. Hierzu wurden im Internet zwei Austauschplattformen eingerichtet. Öffentliche Meldungen finden sich auf der Seite der mecklenburgischen Kirche unter: www.kirche-mv.de/bayern-mecklenburg (Die Seite ist derzeit im Aufbau). Für den internen Austausch gibt es eine geschlossene Facebook-Gruppe, für die Sie die Aufnahme direkt beantragen können; der Link dazu: www.facebook.com/groups/1973348929621485/
Ich würde mich freuen, wenn sich auch im kommenden Jahr viele von Ihnen ermuntern lassen würden, erneut mitzufeiern! Nehmen Sie Kontakt mit den Kirchengemeinden in Mecklenburg auf, mit denen Sie vielleicht noch lose Beziehungen haben. Oder knüpfen Sie neue Kontakte!
Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Dr. Annekathrin Preidel
Präsidentin der Landessynode